Aktien Update – Constantin Medien AG

Nach einer zwei Tage dauernden turbulenten Hauptversammlung sollte man meinen, dass bei der Münchener Constantin Medien AG (WKN 914720, akt. Kurs 1,70 EUR) nun endgültig Klarheit herrscht. Jedoch weit gefehlt: Zwar wurde mehrheitlich für eine Neuausrichtung des Unternehmens und den Verkauf des Filmgeschäftes votiert, allerdings nur nachdem ein Stimmrechts-Pool um den ehemaligen Constantin Vorstand Bernhard Burgener von der Abstimmung ausgeschlossen wurde. Durch eine fehlende Stimmrechtsmeldung im Sommer hätten die betroffenen Aktionäre ihr Stimmrecht verloren. Die Hauptversammlung endete angesichts dieses juristischen Winkelzugs erwartungsgemäß im Chaos, der Versammlungsleiter musste von Bodyguards geschützt werden.

„Die Positionierung als Sport-only-Unternehmen ist nach unserer Einschätzung die langfristig beste und vielversprechendste Strategie für den Constantin Medien-Konzern“, kommentierte Fred Kogel, Vorstandsvorsitzender der Constantin Medien AG die beschlossene Neuausrichtung. „Wir haben dadurch die Chance, Umsatzrentabilität und Ertragskraft unseres Konzerns dauerhaft und nachhaltig zu steigern.“ Die konkurrierende Aktionärsgruppe rund um den Ex-Vorstand und diverse Kleinaktionäre sahen dies dagegen völlig anders. Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Ergebnisse kündigt Burgener, der gleichzeitig Chef der Schweizer Constantin-Tochter Highlight Communications ist, eine Anfechtungsklage an.

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SI-Kommentar: Bereits in der Vergangenheit konnte Constantin Medien selten mit einer überzeugenden wirtschaftlichen Performance glänzen, bot dafür jedoch stets einen gewissen Unterhaltungswert. Schließlich handelt es sich bei Constantin um die ehemalige EM.TV, den einstigen Shootingstar des Neuen Marktes und später umso heftiger gefallenen Filmrechtehändler. Bereits seit Jahren hat nun allerdings der ehemalige Stellvertreter von Leo Kirch, Dr. Dieter Hahn, eine große Aktienposition. Mit der Abspaltung von Constantin Film möchte dieser nun nach Jahren des Siechtums die große Trendwende einleiten. Eine Entscheidung, die das Unternehmen dringend benötigt.

Warum Burgener gegen diesen Plan auf die Barrikaden geht ist verständlich. Schließlich ist er Präsident des Verwaltungsrates der ebenfalls börsennotierten Tochter Highlight Communications. Deren größtes Asset wiederum ist eben genau jene Constantin Film, um deren Verkauf es geht. Um dies zu blockieren wurde daher bereits einiges unternommen. So wurden Highlight-Aktien, die von Constantin als Sicherheit verpfändet wurden, nicht mehr freigegeben. Der Darlehensgeber stammt vermutlich ebenfalls aus dem Umfeld Burgeners. Gleichzeitig wollte dessen Aktionärsgruppe nun auf der Hauptversammlung den Beschluss zur Neuausrichtung kippen.

Wenn zwei sich streiten, sollte sich eigentlich der Dritte freuen. Bei Constantin ist dies jedoch bis jetzt nicht erkennbar. Vielmehr belastet der mit allen Mitteln betriebene Aktionärsstreit auch den Kurs der Aktie. Nach einem brutalen Absturz seit Juli steht das Papier nun auf dem Niveau von 2004. Trotz der „Erfolgsmeldung“ per Ad-hoc-Nachricht scheint der Streit mit nichten beigelegt. Denn das juristische Nachspiel ist alles andere als offen. Aktionäre sollten sich die Aktie erst dann genauer ansehen, wenn sich ein Ende dieser Privatfehde abzeichnet – auch wenn man Fred Kogel und Dieter Hahn den Turnaround zutrauen kann und die Aktie mit einem voraussichtlichen KGV von 10 für 2017 günstig aussieht.

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