Grafik der Woche – Kurze Beine?

GdW Trump

In diesem Jahr geschah es gleich zweimal, dass wichtige politische Entscheidungen anders ausfielen, als dies zuvor allgemein erwartet worden war. Weite Teile der Mainstream-Berichterstattung und der Demoskopie erwiesen sich als „kontrafaktisch“, wie das heute so schön heißt. Beim Brexit-Votum war es zwar bis zum Schluss spannend, aber kurz vor der Abstimmung neigte sich die Waagschale zu Gunsten des „Stay“-Lagers – also auf die falsche Seite. Dagegen war man sich bei der US-Präsidentschaftswahl von Anfang an ganz sicher: Donald Trump hat keine Chance.

In beiden Fällen kam es bekanntlich anders. Es kann daher vermutet werden, dass die Marktteilnehmer mehrheitlich auf dem falschen Fuß erwischt wurden und einigen Anpassungsbedarf hatten. Zumindest zeigten sich am Tag nach der US-Wahl einige auffällige Bewegungen. Am auffälligsten war vielleicht, dass die Welt entgegen aller Unkenrufe nicht untergegangen war und die Börsen sogar stiegen. Bemerkenswert. Noch bemerkenswerter war, welche Branchen am Tag nach der Wahl besonders stark waren. In unserer Grafik der Woche, sind einige der S&P Composite 1500 Subindizes eingezeichnet, für die genau das der Fall war. Das gelbe Rechteck markiert übrigens den 9. November, also jenen Handelstag, an dem die US-Börsen erstmalig auf das Ergebnis reagierten.

In Führung lagen die Indizes für Construction & Materials, Machinery, Materials und Metals & Mining. All das riecht nach Konjunktur à la Trump – also expansive Fiskalpolitik und Infrastrukturprogramme. Damit bildet die Kursentwicklung genau jenen Aspekt einer Trump-Präsidentschaft ab, den man schon verstanden zu haben glaubt. Erklärungsbedürftig ist das Anziehen der Bankaktien (hellblau). Möglicherweise setzen die Marktteilnehmer hier auf eine Kreditausweitung. Wahrscheinlicher aber dürfte sein, dass man hier, wie auch in der Pharmaindustrie (hier nicht eingezeichnet), unter einem republikanischen Präsidenten weniger regulierende Markteingriffe erwartet als unter der Demokratin Clinton.

Besonders stark waren übrigens Kupferaktien, die ebenfalls klare Profiteure eines Konjunkturaufschwungs bzw. -programms wären (vgl. SIW 47/2016 von gestern). Sie sind hier allerdings nicht eigens eingetragen, weil deren Aufschwung bereits vor der Trump-Wahl begann.

Wiewohl sich aus dieser Momentaufnahme eine Indikation für die bevorzugten Branchen unter einer Trump-Präsidentschaft herauslesen lässt, muss dennoch zur gewissen Vorsicht gemahnt werden. Erstens ist das Trump-Programm noch nicht hinreichend konkretisiert und zweitens haben politische Börsen oft ziemlich kurze Beine.

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