Aktien Update – Deutsche Bank AG

Mit der konkreten Umsetzung der bereits seit längerem von den Börsianern erwarteten Kapitalerhöhung startet die Deutsche Bank () den Versuch, seine Bilanzrelationen zu verbessern. Zuvor war eine solche Kapitalmaßnahme über Monate vom Management von sich gewiesen worden. Allerdings kommt die Kapitalerhöhung zu einem deftigen Preis: Insgesamt sollen von den 30 (!) mandatierten Banken 687,5 Mio. Aktien platziert werden. Das Bezugsverhältnis liegt bei 2 zu 1. Kosten sollen die neuen Aktien 11,65 EUR, was einem Discount von 33% entspricht.

Die Aktionäre können somit während der Bezugsfrist, die voraussichtlich vom 21. März bis zum 6. April 2017 läuft, für die Bezugsrechte für jeweils zwei bestehende Aktien eine neue zum Bezugspreis erwerben. Ab dem 7. April sollen die neuen Aktien schließlich zum Handel an der Börse in Frankfurt und New York einbezogen werden. Angeblich wollen sich der Großaktionär aus Katar und der zuletzt mit rund 3% eingestiegene chinesische Konzern HNA an der Maßnahme beteiligen.

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SI-Kommentar: Auffällig ist zunächst einmal der Discount, den die neuen Aktionäre der Deutschen Bank bekommen. 35% sind selbst für marode Banken eine Hausnummer. Sollten am Ende trotz 30 (!) mandatierten Banken nicht alle Aktien an den Mann gebracht werden können, droht zumindest ein Ende der jüngsten Erholung des Aktienkurses. Denn in diesem Fall ließe sich durch Arbitrage über die jungen Aktien deutlich günstiger in die Aktie einsteigen.

Interessant ist daneben das schiere Volumen der Kapitalmaßnahme. Da auf zwei alte Aktien zukünftig eine neue Aktie kommt, wird es mit dem gewaltigen Abschlag auf den Buchwert bald nicht mehr weit her sein. Statt 43 EUR je Aktie wird dieser nach der Platzierung lediglich bei 33 EUR liegen. Und auch diesem Wert scheint die Börse massiv zu misstrauen, denn die neuen Aktien werden zu rund einem Drittel des Buchwerts emittiert.

Primäres Ziel ist die Stabilisierung der diversen Bilanzrelationen. Allerdings dürfte es sich dabei vor allem um kosmetische Maßnahmen handeln. So dürfte sich die Kernkapitalquote minimal erhöhen. Lag diese zuletzt bei rund 11,9%, strebt die Bank hier mittelfristig eine Quote von rund 13% an. Doch ist dies eben immer auch in Relation zu den risikogewichteten Aktiva zu sehen. Und die sind durch die aktuell aufgeweichten Bank-Bilanzierungsregeln ohnehin zu einer Black Box verkommen.

Daneben ist es fast schon bezeichnend, dass die Bank mit der Credit Suisse einen „Stabilisierungsmanager“ mandatieren muss, um im Notfall den Aktienkurs zu stützen. Ganz offensichtlich scheint die Bank trotz des gewaltigen Discounts nicht unbedingt von einer Stabilität des Kurses auszugehen. Selbst im Fall eines vollen Erfolgs der mittlerweile vierte (!) Kapitalerhöhung seit 2010 dürfte es ein weiter, wenn nicht gar unmöglicher Weg zur Erholung der Bank sein.

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