Editorial – Das Tor in der letzten Minute

War das eine Sensation, als Toni Kroos im Spiel gegen Schweden den Ball in der letzten Spielminute ins Tor zwirbelte und damit das frühzeitige Aus der deutschen Nationalmannschaft – sorry, „national“ und auch „deutsch“ darf inzwischen nicht mehr sein, also: „der Mannschaft“ – in der Vorrunde der Fußball-WM verhinderte.

Manchmal, wenn ich so im Gespräch mit verschiedenen Leuten bin, habe ich den Eindruck, dass bezüglich der deutschen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ebenfalls diese Denke vorherrscht: Zum Schluss wird aus irgendeiner Ecke noch der grandiose Dreh für die Wende zum Guten kommen. Unsere Kanzlerin predigt es ja schon seit Jahren: Wir schaffen das!

Leider funktioniert so etwas nur im Fußball, und hier auch nicht immer, und sowieso nur dann, wenn man gerade mal ein einziges Tor benötigt, um den Kopf (vorübergehend) aus der Schlinge zu ziehen.

Wenn ich die Entwicklung hierzulande während der letzten zehn Jahre betrachte, halte ich folgenden Fußballvergleich für angebrachter: Deutschland liegt null zu fünf hinten und die Restspielzeit beträgt noch drei Minuten. Klar, nach Kroos-Manier wäre schon noch ein Tor drin, mit Riesendusel vielleicht auch zwei – aber eben nicht fünf oder gar sechs. Das gibt alleine die Mathematik (Zeit für Anstoß, Rennen bis zum Tor usw.) nicht her. Warum das so ist, das hatten wir in den letzten Monaten vielfach besprochen, z.B. im Heft 5/2018 im Interview mit Dr. Markus Krall, im Heft 6/2018 im Interview mit Dr. Holger Schmitz, oder im vorliegenden Heft mit der Börsenlegende Felix Zulauf auf S. 58.

Wäre Deutschland eine börsennotierte AG, würde diese in keiner Weise als „Value-Investment“ durchgehen. Eher schon als absolut überschätzte und gehypte Modeaktie: hohe Verschuldung, nicht-nachhaltige Cashflows, mit wertlosen Forderungen (z.B. TARGET2) aufgeplusterte Bilanz, unfähiges bzw. verantwortungsloses Management (Merkel & Co.) usw.

Was ein gutes Value-Investment ausmacht, das haben wir in unserer Titelgeschichte auf S. 6 für Sie nochmals anschaulich herausgearbeitet. Und dass es nach über acht Jahren Hausse immer noch Value-Kandidaten gibt, die diesen Namen auch verdienen, das zeigen wir in unseren Geschichten zu günstigen Aktien innerhalb (S. 12) sowie außerhalb Europas (S. 10) und zu deutschen Nebenwerten (S. 52). Außerdem haben wir eine nahezu unbekannte Alternative zur inzwischen doch recht groß gewordenen Berkshire Hathaway des bekannten Value-Investors Warren Buffett entdeckt (S. 48).

Des Weiteren finden Sie in dieser Ausgabe Themen wie Goldsparpläne und Goldkauf im Internet, Abfindungstitel als Anleihenersatz, Länderrankings für Auswanderwillige sowie Rückblicke zu insgesamt vier Konferenzen (S. 8, 20, 22, 24).

Ich wünsche Ihnen gewinnbringende Erkenntnisse

Ralf Flierl