Aktien Update – Apple Inc.

Bildnachweis: Apple Inc..

Wenn in den Medien der laufende Handelskrieg zwischen den USA und China thematisiert wird, taucht häufig Apple* (akt. Kurs 189,66, WKN 865985) als eines der am meisten betroffenen Unternehmen auf. Was dabei allerdings verwundert: Die Aktie des iPhone-Produzenten notiert bei 208 USD nicht allzu weit entfernt vom Allzeithoch bei knapp 230 USD. Während sich die negativen Nachrichten Ende letzten Jahres häuften und den Kurs zum Jahreswechsel auf Talfahrt schickten, scheint die laufende Verschärfung des Konfliktes mit China die Aktie wenig zu belasten. Zur Erinnerung: Apple lässt seine Produkte fast ausnahmslos in China produzieren, die ab 15. Dezember fälligen Zölle dürften das Unternehmen daher signifikant belasten. Dabei hatte die gute Beziehung von Donald Trump und Apple CEO Tim Cook sogar dafür gesorgt, dass quasi als eine Art „Lex Apple“ die Zölle auf Elektronikprodukte auf den Dezember verschoben wurden.

Link zur Meldung

SI-Kommentar: Die Aktie von Apple ist aus mehrerlei Gesichtspunkten ein interessantes Anschauungsmaterial. Die jüngste Kursperformance könnte der Belag dafür sein, dass die Verhandlungsposition diverser US-Unternehmen von vielen Marktteilnehmern unterschätzt wird. Zwar dürfte Apple tatsächlich von den ab Dezember fälligen Zöllen tangiert werden, aufgrund seiner Marktstellung einen großen Teil der fälligen Kosten an seine Zulieferer bzw. Auftragsproduzenten weitergeben. Letztendlich dürfte es Apple in deren Verantwortung stellen, sich nach Alternativen Produktionsstandorten umzusehen oder andernfalls einen Teil der anfallenden Zölle zu übernehmen.

Was häufig ebenfalls nicht bedacht wird: Lediglich rund 40% der Apple-Umsätze werden in den USA erzielt, zieht man die Service-Umsätze ab dürften Produktverkäufe in den USA lediglich für 30% des Umsatzes stehen. Ein Teil dieser Produktion dürfte sich tatsächlich aus China verlagern lassen, die verbleibenden Einfuhren daher kaum ins Gewicht fallen. Andererseits hat es immerhin eine Ausnahmeregelung für Elektronikprodukte benötigt – angeblich um das US-Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden. Die Frage ist daher, was die Börse bereits einpreist.

Auf der einen Seite könnten die Börsianer zu optimistisch sein, was eine schnelle Beilegung des Handelskrieges betrifft. Die zunehmender erratischen Tweets des Präsidenten und die eher geringe Verhandlungsbereitschaft der chinesischen Seite lässt zumindest Zweifel aufkommen, ob Trump hier noch die Zügel in der Hand hat. Andererseits überschätzt die Börse wohl die Auswirkungen, die ein länger anhaltender Handelskrieg auf die Zahlen von Apple haben könnte. Die viel größere Gefahr ist daher wohl eine Abkühlung der Konjunktur, die auch am kalifornischen Cupertino nicht spurlos vorübergehen dürfte.

Mit einem 2020er KGV von 15 (adjustiert um Cash) ist die Aktie gleichzeitig nicht wirklich teuer, bietet gleichzeitig jedoch einen der größten Hebel, sollte sich der Handelskonflikt in den nächsten Monaten zum positiven auflösen. Dazu kommt der 5G-Standard, der spätestens ab 2020 dafür sorgen dürfte, dass der ein oder andere iPhone-Nutzer sich ein neues Gerät zulegt. Angesichts dynamischer Wachstumsraten im Servicegeschäft (Apps, Musik-Streaming, Videos) baut Apple gleichzeitig eine Säule mit stetigen und wiederkehrenden Umsätzen auf, die Bedeutung der Hardware wird in den kommenden Jahren sukzessive sinken. Der 2018 angestimmte Abgesang auf das Unternehmen dürfte (einmal mehr) verfrüht gewesen sein.