Aktien-Update: PJSC Gazprom ADR

Bildnachweis: Gazprom.

Die Zahlen zum dritten Quartal des russischen Gas-Multis Gazprom* (akt. Kurs ADR 7,14 EUR, WKN 903276) sehen auf den ersten Blick ernüchternd aus. Gesunkene Gaspreise auf dem europäischen Absatzmarkt, ein stärkerer russischer Rubel und hohe Capex in die neuen Pipeline-Projekte haben für Rückgänge bei den Zahlen gesorgt. Die Umsätze fielen um 16% auf 1.622 Mrd. RUB, das Nettoergebnis sogar um 45% auf 212 Mrd. RUB (1 EUR = 71 RUB).

Aus einem adjustierten operativen Cash Flow von 1.218 Mrd. RUB wurde durch hohe Investitionen ein leicht negativer Free Cashflow. Positiver stellen sich die Zahlen dar, blickt man auf die ersten neun Monate des laufenden Jahres. Dank des starken ersten Halbjahres lag das Nettoergebnis hier mit 1.048 Mrd. RUB immerhin um 3% über dem Vorjahreszeitrum.

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SI-Kommentar: Als wir uns Anfang des Jahres mit der Aktie von Gazprom beschäftigten, war alles andere als klar, dass diese Aktie 2019 mit einem Plus von rund 75% abschließen würde. In einer ausführlichen Analyse haben wir damals herausgearbeitet, welche enorme Substanz in dem Titel steckt (SI 4/2019, S. 48). All dies hilft aber wenig, wenn es kein Ereignis gibt, das zu einer Neubewertung führt. Im Fall von Gazprom war dies die deutliche Anhebung der Dividende von 8,04 RUB je Aktie auf 16,61 RUB, rund 27% des Nettoergebnisses von 2018. Die Börse nahm diese aktionärsfreundlichere Politik des Unternehmens begeistert auf.

Mit den nun bekanntgegebenen Quartalszahlen konkretisierte das Management auch die mittelfristige Planung bezüglich der Dividende. Ab dem nächsten Jahr basiert die Ausschüttung auf einer neuen Dividendenpolitik, die in einer Sitzung des Management-Boards am 5. Dezember beschlossen werden soll. In naher Zukunft sollen 50% des Nettoergebnisses (adjustiert um nicht cash-wirksame Sachverhalte) an die Aktionäre ausbezahlt werden. Unterstellt man die aktuellen Analystenschätzungen für die kommenden Jahre (z.B. 1,90 je ADR in 2021 laut Morgan Stanley) dürfte es die Aktie damit auf eine Dividendenrendite von mehr als 11% bringen.

In den letzten Wochen war es aber nicht nur die Aussicht auf dauerhaft erhöhte Rückflüsse, die die Aktie angetrieben hat. Mit der Genehmigung der Nordstream 2 Pipeline durch Dänemark sind nun endgültig alle regulatorischen Voraussetzungen für das Projekt erfüllt. 2020 soll die Röhre in Betrieb gehen. Gleichzeitig eröffnete das Unternehmen jüngst seine rund 3.000 km lange Pipeline nach China, über die künftig jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas in das Reich der Mitte fließen sollen. Anfang Januar wird schließlich die TurkStream-Pipeline in Betrieb genommen, die durch das Schwarze Meer in die Türkei führt.

Sobald all diese Projekte abgeschlossen sind, dürfte sich auch der freie Cashflow in völlig anderen Dimensionen bewegen. Für Gazprom-Aktionäre steht dann endgültig die Erntezeit ins Haus. Alleine die zu erwartende Dividendenanhebung könnte der Aktie ein weiteres Kurspotential von 50 bis 100% einbringen.

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