Grafik der Woche – Fieberthermometer

Quelle: Ice Data Indices, LLC, ICE BofA US High Yield Index Option-Adjusted Spread [BAMLH0A0HYM2], retrieved from FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis; https://fred.stlouisfed.org/series/BAMLH0A0HYM2, March 25, 2020.

It’s the credit market, stupid! Wer in den heutigen Zeiten wissen möchte, wie viel Stress die Corona-Krise für das Bankensystem und den Finanzsektor bedeutet, sollte die Entwicklung der Kreditmärkte im Auge behalten. Insbesondere im Auge behalten sollten Anleger die Spreads auf Hochzinsanleihen – sogenannte Junk Bonds. Bereits vor der Corona-Krise war es um die Bonität der Emittenten nicht zum Besten gestellt. Nun sorgt der Stillstand einiger der größten Volkswirtschaften dafür, dass in vielen Fällen die Liquidität knapp wird. All dies beinhaltet den Sprengstoff, dass aus der gesundheitlichen Krise relativ schnell eine finanzielle Krise entstehen könnte.

Noch ist der Stress im System nicht mit 2008 vergleichbar, als die Spreads amerikanischer High-Yield-Bonds auf bis zu 22% anstiegen. Mit „nur“ 10% halten die Anleger die Risiken heute noch für überschaubarer. Auch Anleger, die ihren Fokus rein auf den Aktienmarkt legen, sollten in diesen Tagen jedoch regelmäßig auf die Spreads der Junkbonds blicken (im Chart ist zum Beispiel der BofA US High Yield Index zu sehen). Denn diese sind quasi das Fieberthermometer der Finanzwelt und dürften relativ zuverlässig ankündigen, ob aus den Folgen der Corona-Krise eine neue Finanzkrise resultiert.