Irreführende Debatten

© Bildagentur PantherMedia / adrenalina (YAYMicro)

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Was wir aus einer Demonstration in Berlin für die Börse lernen können

Anfang der Woche diskutierte gefühlt halb Deutschland darüber, wie viele Menschen bei der Demonstration „Tag der Freiheit“ am Wochenende (1.8.) in Berlin teilgenommen hatten. Laut offiziellen Zahlen waren rund 20.000 Demonstranten in Berlin gewesen, bevor die Veranstaltung wegen der Nichteinhaltung der Abstandsregeln von polizeilicher Seite abgebrochen wurde. Die meisten Teilnehmer und die Veranstalter hingegen meinten, dass viel mehr Menschen nach Berlin gekommen waren – 800.000 bis 1,3 Mio. Menschen sollen es derer Ansicht nach gewesen sein. Die andere gefühlte Hälfte unsere Landes diskutierte derweil darüber, wie man diesen „Gemeinwohlgefährdern“ und „Coronaleugnern“ das Handwerk legen könnte und ob es überhaupt jemals wieder (Groß-)Demonstrationen in Deutschland geben dürfe.

Nun fragen Sie sich sicherlich, was das denn mit den Börsen zu tun hat? Einerseits wenig, andererseits aber kann man, von einer Metaebene aus betrachtet, hier sehr wohl einige Erkenntnisse gewinnen, die auch für die Kapitalanlage relevant sind. Beispielsweise, dass man sich nicht in sein Investment verlieben sollte – das führt nur dazu, dass man selbiges nicht mehr neutral beurteilen kann. So ging es nämlich den Demoteilnehmern, wenn sie von 800.000 bis 1,3 Mio. Menschen fabulierten. Nachdem wir uns sehr viele Videos und Bilder sowie auch Statements von Involvierten wie z. B. einem beteiligten großen Busunternehmer verinnerlicht haben, kommen wir zu dem Schluss, dass die tatsächliche Anzahl irgendwo zwischen 200.000 und 500.000 gelegen haben dürfte.

Die von Politik und Medien angegeben Zahlen liegen also meilenweit daneben (und das ist eigentlich noch nett ausgedrückt) und wir ziehen daraus nicht den Schluss, dass die Medienvertreter nicht zählen könnten, sondern dass man diese vermutlich größte politische Demo seit der Wiedervereinigung 1989 bewusst kleinreden will. Wenn die Süddeutsche Zeitung von „bis zu 17.000“ schreibt, dann ist das schlicht und ergreifend dreist gelogen, wenn die BILD von „mehr als 20.000“ schreibt, dann ist das zwar faktisch nicht falsch, aber muss dennoch als bewusste Irreführung bezeichnet werden. Ein unserer Ansicht nach objektiver Artikel zu dieser Demo ist hier zu finden.

Der daraus zu ziehende Schluss für uns als Kapitalanleger könnte lauten: Das gemeinsame Schauspiel, welches Politik und Mainstreammedien zusammen seit vielen Jahren aufführen, ist dahingehend zu interpretieren, dass die Wahrheit eher vertuscht, denn ans Licht gebracht werden soll. Dies sehen wir beim Klimawandel, bei der Feinstaubdiskussion, bei der Massenmigration, bei der Russlandfrage, bei der Euro-Rettung und bei vielen anderen Themen so – und haben darüber in unseren früheren Heften auch schon viel publiziert. Und das wird ganz konkret auch für das Geld und das Vermögen der Bürger und schlussendlich für die Sicherheit in diesem Lande dramatische Auswirkungen haben. Darauf weisen wir im Heft immer wieder ungeschönt hin, zuletzt z. B. in unserer Titelgeschichte „Vermögensabgabe“ in Ausgabe 5/2020.

Fokus auf das Wesentliche

Auch ist diese Diskussion ein gutes Beispiel dafür, wie leicht wir Menschen uns ablenken lassen – denn an sich ist es doch völlig egal, wie viele Menschen dort waren. Wenn etwas wahr und richtig ist, wird es ja nicht dadurch wahrer oder unwahrer, wenn es von vielen oder wenigen vertreten wird. Vor allem aber ging es den Demonstranten ja eigentlich um die Werbung für eine andere Blickweise und einen anderen Umgang in Sachen Coronakrise bzw. den daraufhin eingeleiteten Maßnahmen. Mit der Debatte über die Teilnehmerzahlen aber geriet das eigentliche Anliegen naturgemäß in den Hintergrund. Auch als Anleger – und zumal als Privatanleger – wird man bei seinen Investmententscheidungen schnell vom wesentlichen abgelenkt und verlässt dann, oft zunächst unbemerkt, den Pfad der eigenen Investmentstrategie.

Doppelstandards sind Standard

Kritisch ist unserer Ansicht nach auch zu sehen, dass in Sachen „Tag der Freiheit“ wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen wurde. Denn anlässlich der erst vor kurzem stattgefundenen „black lives matter“-Demos beispielsweise dachte eine SPD-Vorsitzende ebenso wenig wie ein Polizeichef über die Aufhebung verfassungsmäßiger Grundrechte nach. Aber der Zeitgeist ist eben aktuell links und ängstlich. Doppelstandards und -moral sind keine besonderen Zeichen der Coronakrise, sondern elementarer Bestandteil des heutigen politischen Spiels. Auch an der Börse werden Unternehmen nicht immer und jederzeit gerecht und fair bewertet. Im Gegenteil: Nur allzu oft steigt der eine und fällt der andere Titel ohne nachvollziehbaren Grund. Alles ist immer nur eine Momentaufnahme.

Wie geht’s weiter?

Normalerweise würde man davon ausgehen, dass die „Corona-Maßnahmen“ nach und nach gelockert werden. Aber so wie die Politiker – allen voran Söder, Spahn und Merkel – derzeit so reden, möchte man meinen, dass sie eine Wiederaufnahme des Lockdowns gar nicht abwarten können. Wenn es aber tatsächlich im Rahmen einer herbeiphantasierten zweiten Welle zu einem neuerlichen Lockdown käme, dann würde das weite Teile der Wirtschaft, die sich jetzt gerade noch so über die Runden schleppen, in den Abgrund schicken. In unserer kommenden September-Ausgabe des Heftes wird sich die Redaktion ausführlich über dieses Thema Gedanken machen.

 

Zu den Märkten

Bemerkenswerterweise ignorierten die Börsen die verheerenden Wirtschaftsdaten, die letzten Freitag weltweit veröffentlicht wurden. Ein Einbruch der Wirtschaftsleistung um über 10% sollte eigentlich ein Erdbeben auslösen, aber Dow, Dax & Co. zeigten sich weitgehend unbeeindruckt. Nur der US-Dollar schwächelt gewaltig. Seit Mitte Mai hat der Greenback gegenüber dem Euro rund 8% abgegeben.

 

 

Die europäische Gemeinschaftswährung nähert sich klammheimlich der oberen Begrenzung des langfristigen, seit 2009 etablierten Abwärtstrends, mittlerweile muss mehr als 1,18 USD für einen Euro bezahlt werden.

Sollte es hier zu einem nachhaltigen Durchbruch nach oben kommen, dann wäre dies aus charttechnischer Sicht als massives langfristiges Kaufsignal für den Euro zu werten. Die Folgen für die globalen Währungs- und auch Gütermärkte wären enorm. Auch die gerade erst ins Laufen gekommene Edelmetallrally (siehe Weekly von letzter Woche) dürfte dann weiter befeuert werden. Aus Sicht der USA wäre ein weicherer Dollar aus Exportperspektive wohl durchaus wünschenswert, zumal man selbst aktuell energieautark ist und also an dieser Stelle ein schwacher Dollar keinen Schaden bei den Bürgern (und Wählern) anrichtet. Auch die Chinesen mussten jüngst das „Volksgeld“, den Renminbi Yuan, gegenüber dem Dollar aufwerten. Die Europäer hätten allerdings bei einer weiteren und deutlichen Dollarabwertung den Schwarzen Peter auf der Hand.  Ein scharf aufwertender Euro ist in der aktuellen Situation sicherlich weder im Interesse der EZB noch der deutschen bzw. europäischen Exportindustrie – und die südlichen Pleiteländer der Eurozone konnten mit einer starken Währung ohne hin noch nie etwas anfangen.

 

 

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Fazit

Die wirtschaftlichen Verwerfungen, die die politischen Entscheidungen zur Bekämpfung des Virus hervorgerufen haben, werden es erzwingen, dass eben jene Entscheidungen Schritt für Schritt rückgängig gemacht werden. Die Schäden aber werden dennoch enorm ausfallen. Klagen und Jammern hilft dabei nicht – der Anleger wird nur dann einen Vorteil aus der Sache ziehen können oder zumindest weitgehend unbeschadet daraus hervorgehen, wenn er sich auf das aktuell wesentliche – den Schutz des eigenen Kapitals – konzentriert und sich dabei nicht verzettelt.

Ralf Flierl, Fabian Grummes

 

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