Brief für Geld

Titelbild: © Photobank – stock.adobe.com

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Über die Blüten der Liquiditätsschwemme

Blick in die Zukunft

Langsam beginnt für Börsianer die Zeit der Jahresausblicke. Auch wir werden uns in der kommenden Druckausgabe Smart Investor 1/2021 mit dieser traditionellen Übung beschäftigen. Allerdings hat das Jahr 2020 so augenfällig wie keines gezeigt, dass man über die Zukunft nur dann eine halbwegs zutreffende Ahnung haben kann – von Wissen wollen wir in diesem Zusammenhang nicht sprechen –, falls sie der Vergangenheit hinreichend ähnelt. Bei Überraschungen und Strukturbrüchen bleiben die Prognosewerkzeuge stumpf. So konnte man vieles, was uns inzwischen zur traurigen Selbstverständlichkeit wurde, vor einem Jahr noch nicht ansatzweise erkennen. Warum wir uns der Tradition der Jahresausblicke dennoch verpflichtet fühlen und wie wir versuchen, das Beste daraus zu machen, lesen sie dann in der Januar-Ausgabe des Smart Investor.


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Entscheidungen unter Unsicherheit

Auch wenn das laufende Jahr noch nicht zu Ende ist, ist es schon jetzt eines der größten Strukturbrüche überhaupt. Die zeigen sich besonders im Alltagsbild und im Zwischenmenschlichen bzw. dem, was davon noch übrig ist. Während die Gastronomie und das Veranstaltungsgewerbe Lockdown-bedingt darnieder liegen, boomen Internetanwendungen und Onlinehandel. Auch unsere Arbeitswelt verändert sich in riesigen Schritten, was man beispielsweise auch am Thema Home Office erkennen kann. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten beim massenhaften Betreten dieses relativen Neulands ist das Spektrum der Einschätzungen entsprechend groß – etwa bei der steuerlichen Behandlung:

Während die Deutsche Bank eine Studie erstellen ließ, in der eine Zusatzsteuer für Heimarbeiter gefordert wurde (vgl. Smart Investor 12/2020, S. 42, „Löcher in der Matrix: Steuer von der Bank“), will die Politik die Betroffenen sogar für die häuslichen Zusatzkosten entlasten. Natürlich sind dauerhafte Steuersenkungen ausnahmslos begrüßenswert. Wenn aber an Tarifen und Regelungen mit der Absicht einer Makro- bzw. Feinsteuerung herumgeschraubt wird, dann werden vor allem Störgrößen erzeugt, die den Marktteilnehmern ein langfristiges Handeln erschweren. Geht es dann auch noch um Steuererhöhungen oder Regelverschärfungen ist die Vernichtung von Wohlstand programmiert.

Glänzende Oberfläche

Auch die Märkte scheinen sich mit der Einschätzung der Gesamtsituation schwer zu tun. Nur bei einer sehr oberflächlichen Betrachtung der weltweiten Aktienindizes wird man die Spuren einer Wirtschaftskrise nicht erkennen. So erreichte beispielsweise der S&P 500 (vgl. Abb. 1) gestern ein neues Allzeithoch, das vor allem den Erfolgsmeldungen bei der Impfstoffentwicklung und den damit verbundenen Hoffnungen auf eine rasche Normalisierung des Lebens geschuldet war.

Spuren der Krise

Bei genauerer Betrachtung gibt es im Kursverlauf jedoch zwei Hinweise auf ein außergewöhnliches Börsenjahr: Der erste ist natürlich der gewaltige Kurseinbruch vom Frühjahr – einer der größten und schnellsten überhaupt –, der den verordneten Stillstand der Wirtschaft reflektierte und die mutmaßlichen Folgeschäden einzupreisen versuchte. Der zweite und etwas verstecktere Hinweis ist die atemberaubende Erholungsbewegung, die im Anschluss stattfand und nicht einmal durch das anhaltende Gezerre um das Weiße Haus ins Stottern kam. Mehr als 55% konnte der US-Blue-Chip-Index seit den Tiefs zulegen und scheint nun auch aus seiner oberen Trendbegrenzung noch einmal herausbeschleunigen zu wollen (vgl. Weekly „Neuralgische Punkte“ ). Das ist umso erstaunlicher, als Joe Biden, der voraussichtliche 46. US-Präsident der USA, bereits einen sechswöchigen Lockdown angekündigt hatte. Zum Thema Biden vs. Trump empfehlen wir immer einmal wieder auch Quellen wie www.sciencefiles.org , in denen Aspekte zur US-Wahl herausgearbeitet werden, die Sie so im Medienmainstream nicht finden werden, die letztlich aber dennoch für eine faustdicke Überraschung an den Märkten gut sein könnten.

Wirtschaft vs. Börse

Auch war die wirtschaftliche Erholung der USA nach dem ersten Lockdown zwar stark, aber eben nicht so stark, dass die Scharte aus dem Frühjahr bereits wieder vollständig ausgebügelt worden wäre. Natürlich muss man sich davor hüten, Wirtschaft und Börse 1:1 übersetzen zu wollen. Unabhängig vom zeitlichen Versatz, der durch das Antizipationsverhalten der Marktteilnehmer begründet ist, spielen weitere Faktoren eine Rolle. Der wohl wesentlichste ist die Liquidität, die von den Notenbanken zur Verfügung gestellt wird – und von der gab es reichlich. Die Nach-Corona-Hausse ist also vor allem liquiditätsgetrieben, während nur in ausgewählten Branchen auch die Gewinne sprudeln. Man könnte diesen Zusammenhang auch als eine Fluchtbewegung aus diesem nun beschleunigt verwässerten Geld interpretieren, die sich anderenorts in Kurssteigerungen zeigt.

Ventil der Geldschöpfung

Auch der Goldchart scheint diese Sichtweise zu unterstützen. Das klingt zunächst vielleicht merkwürdig, da das gelbe Metall über die letzten Monate per Saldo ja gefallen ist. Allerdings hatten wir genau dies als mögliche Flaggenkorrektur auf den vorangegangenen Preisanstieg identifiziert (vgl. Weekly „Neuralgische Punkte“ ) – eine Korrektur, die nun zu Ende gehen könnte (vgl. Abb. 2). Denn nach dem letzten Ausschüttler am Montag, kam es bereits gestern zu einer starken Aufwärtsbewegung, was nun einen Spielraum bis zur oberen Flaggenbegrenzung im Bereich von ca. 1.930 USD/Feinunze eröffnet und – nach Abschluss der Flaggenkorrektur – sogar Kurse weit darüber hinaus möglich erscheinen lässt.

„Digitales Gold“ unter Dampf

Diese Sichtweise deckt sich mit der Entwicklung bei einem anderen „Alternativgeld“. Der Bitcoin, gerne als digitales Gold apostrophiert, konnte gestern ein neues Allzeithoch in US-Dollar erreichen und zeigte sich damit für einen, der schon oft totgesagt wurde, bemerkenswert vital. Zuletzt errechnete Citibank-Analyst Thomas Fitzpatrick sogar ein Kursziel von 318.000 USD – und zwar bereits bis Dezember 2021! Auch wenn die krumme Zahl hier so etwas wie eine genaue Berechnung suggeriert, ist das natürlich vollkommen unmöglich – nicht das Kursziel, sondern eine exakte Berechnung desselben. Dass nun aber solche Studien an den Markt kommen, nachdem (!) sich der Bitcoin von seinen Jahrestiefs bereits rund verfünffacht hat, sollte ebenfalls zu denken geben.

Kurssteigerung entzündet Fantasie, nicht umgekehrt

Es ist also die bereits erfolgte Kurssteigerung, an der sich die Fantasie und die Hoffnung auf noch sehr viel mehr entzündet. Entsprechend boomen derzeit auch Aktien rund um das Krypto-Thema. Und da tummelt sich allerlei, auch jene Unternehmen, die ihr Geschäftsfeld und ihren Namen erst kürzlich von „Irgendwas mit Gold“ über „Irgendwas mit Bio“ zu „Irgendwas mit Krypto“ geändert haben. Echte Pioniere sind dagegen rar gesät und entsprechend teuer, besonders im deutschen Sprachraum. Ein solches Unternehmen ist beispielsweise die Bitcoin Group (WKN A1TNV9), die als Betreiber eines Handelsplatzes für Kryptowährungen schon auf einige Jahre unternehmerischer Kontinuität verweisen kann. Zudem engagieren sich die Herforder noch in weiteren Geschäftsfeldern rund um die Themen Blockchain und Krypto. Die Kursentwicklung der Aktie hinkt allerdings deutlich hinter der des Bitcoin her. Zocker werden das Papier daher nicht so attraktiv finden und ein Schnäppchen ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau auch nicht.

Durch die Decke

Ebenfalls ein deutliches Zeichen für die Liquiditätshausse und die Spekulationsbereitschaft ist die überproportional positive Kursentwicklung von Broker-Aktien. Dazu gehört an erster Stelle unser eigenes Mutterhaus, die wallstreet:online AG (WKN A2GS60), die mit Smart Broker das richtige Angebot zur richtigen Zeit an den Markt gebracht hat. Aber auch die Lang & Schwarz* (WKN 645932), flatexDEGIRO (WKN FTG111) und die Baader Bank (WKN 508810) gehören zu den klaren Profiteuren des Geld-induzierten Börsenbooms. Der Trend zum schnellen Online-Börsengeschäft ist übrigens keine deutsche Erfindung, sondern in den USA bereits seit dem Frühjahr mit erhöhter Drehzahl im Gang.


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Sie sind herzlich eingeladen zum Live-Webinar mit Fonds Laden und BlackRock am 9. Dezember 2020 um 18:00 Uhr, Dauer ca. 35 Minuten. Anmeldung im Internet unter www.fonds-laden.de/veranstaltungen

Themen: Welchen Einfluss hat der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl auf die internationalen Kapitalmärkte? Ist der EU-Austritt Großbritanniens bereits in den Kursen eingepreist? Wachstumslokomotive China: Fluch oder ein Segen für die Weltwirtschaft? Können wir Zinsen und Inflation für immer abschreiben oder ist mit überraschenden Anstiegen zu rechnen? Der Fonds Laden ist der Meinung, dass sich die veränderten Märkte signifikant auf die künftigen Renditen bestehender Anlage-Portfolios auswirken und es Zeit ist, die persönliche Investmentstrategie auf den Prüfstand zu stellen. BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, nimmt Stellung zu wichtigen Fragen aus Politik, Wirtschaft und Börse, schildert die Sichtweise auf die Märkte für das kommende Jahr und die Zeit darüber hinaus und zeigt aussichtsreiche Fondslösungen auf.

Wichtiger Hinweis: Wir konnten kurzfristig Herrn Dr. Martin Lück, Chief Investment Strategist für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei BlackRock für unser Live-Webinar gewinnen. Der promovierte Volkswirt und Bankkaufmann verfügt mit mehr als zwanzig Jahren Berufserfahrung über eine starke Präsenz als Kapitalmarktexperte in Deutschland. Herr Lück wird in dem Webinar den makroökonomischen Teil übernehmen und über die Investment-Einschätzungen von BlackRock berichten.

Das Webinar ist kostenfrei.

Fonds Laden Gesellschaft für Anleger mbH, Sauerbruchstr. 2, 81377 München, Telefon 089 – 125 918 520, E-Mail info@fonds-laden.de www.fonds-laden.de


Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Smart Investor 12/2020:

Titelstory: Small Caps in Zeiten von Corona

Aktienselektion: Erfolg mit doppelter Momentumstrategie

Malta: Nicht unbedingt günstig, aber dafür lebenswert

Corona: Wenn die Freiheit auf der Strecke bleibt.

Fazit

Das Zauberwort für die Märkte heißt Liquidität. Wenn aber die Perspektiven der Wirtschaft eingetrübt sind und das Geld in Strömen fließt, dann wird nach Geldalternativen gesucht und die Spekulationslust steigt.


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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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