Comeback von Volkswagen

Titelbild: © pikselstock – stock.adobe.com

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Und er läuft und läuft wieder und läuft weiter

Ereignislose Schicksalstage

Als wir in der letzten Ausgabe vor den „Iden des März“ warnten, ahnten wir nicht, wie ereignislos diese Tage an den Märkten verlaufen würden. Zwar konnte der DAX gestern ein weiteres Allzeithoch erreichen, die Kursentwicklung war jedoch lustlos. Im Prinzip verläuft der deutsche Leitindex weiter entlang der oberen Begrenzung einer bearishen Keilformation. Weder konnte sich der Index davon bislang entscheidend nach oben lösen, noch fiel er zurück in den Keil oder gar nach unten aus dem Keil heraus, was der technischen Standarderwartung dieser Formation entsprechen würde. Dennoch könnte diese Ruhe trügerisch sein. Zum einen wechseln sich ruhige und stürmische Phasen an den Märkten regelmäßig ab. Wenn es also über längere Zeit „ziemlich ruhig“ zugeht, dann kann man sich zumindest auf eines verlassen: Das wird so nicht bleiben.

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Elektro statt Feuer – Dino rüstet um

Zum anderen gab es große Bewegungen innerhalb des Index, die aber aufgrund der ausgleichenden Effekte bei der reinen Indexbetrachtung kaum auffallen. So konnten die im DAX enthaltenen Vorzugsaktien von Volkswagen kräftig zulegen. Bei den Stämmen, die allerdings nicht im DAX enthalten sind, kam es sogar schon gestern zu einer regelrechten Kursexplosion. Dass die Aktien des Autokonzerns billig sind, war bekannt, nun trafen aber gleich mehrere positive Treiber auf ein Unternehmen, das viele schon als Dinosaurier abgeschrieben hatten. Zum einen sorgt weiter der geplante Teilbörsengang der Sportwagentochter Porsche für Fantasie. Zum anderen hat sich der Konzern nun ganz der politisch forcierten Elektromobilität verschrieben. Schon im Jahr 2030 sollen 70% der in Europa abgesetzten Neufahrzeuge der Kernmarke VW reine Elektroautos sein. Auch bei den Batteriezellen will man deutlich nachlegen: Zuletzt wurde der Bau von sechs Gigafabriken bis zum Ende des Jahrzehnts in Europa angekündigt. Solche Entwicklungen machen nun ausgerechnet die Aktie des Dieselskandals perspektivisch sogar für jene interessant, die beim Investieren auf die ESG-Kriterien – Environment, Social, Governance – achten wollen. Nicht einmal die Zahlen für 2020 fielen – China sei Dank – so negativ aus, wie dies im Vorfeld befürchtet worden war. Zudem wurde auch der positive Ausblick für das laufende Jahr 2021 bekräftigt. Abschreiben sollte man die deutsche Automobilindustrie also noch nicht.

Schwarm schiebt an

Neben diesen fundamentalen Treibern kam bei Volkswagen aber offenbar auch noch ein inzwischen hinlänglich bekanntes technisches Thema zum Tragen: Die in den USA gehandelten ADRs wiesen eine vergleichsweise hohe Short-Quote auf, was wohl auch mit dem schlechten Image des durch zurückliegende Skandale erschütterten Konzerns zu tun hat. Es scheint, dass nun auch diese Aktie in das Visier der Schwarmanleger geraten ist, denn es waren zunächst massenhaft Kleinstorders, die schließlich auch die Shorties zu Teileindeckungen ihrer Positionen trieben. Zumindest wäre das eine Erklärung für die Vehemenz der gestrigen Kursspitze, die sich auch heute noch fortsetzt. Allerdings besteht bei solchen Kursbewegungen die Gefahr, dass sie kurzfristig korrekturanfällig sind, und zwar ganz unabhängig vom positiven Newsflow der vergangenen Tage.

Revierkämpfe

Da wir schon einmal in Amerika sind, erscheint noch ein weiterer Aspekt der Wiederentdeckung von Volkswagen interessant: In dem Maße, wie die Wolfsburger sich nun aggressiv im Bereich der Elektromobilität ausbreiten –  und Volkswagen ist nur einer von vielen Autobauern, die auf diesen Zug aufspringen –, beginnt der E-Auto-Pionier sein Alleinstellungsmerkmal zu verlieren. Zumindest scheinen sich auch immer mehr Anleger zu fragen, warum sie für Tesla ein 2021er KGV von grob geschätzt knapp 170 bezahlen sollen, während sie die Vorzüge von Volkswagen für ein 2021er KGV von 8,5 bekommen. Bei diesen Relationen kann sich Volkswagen in seiner Elektrifizierungsstrategie sogar noch den einen oder anderen Flop erlauben, ohne gleich aus der Bahn geworfen zu werden. Schließlich hat das Unternehmen langjährige Erfahrungen im Fahrzeugbau und auch ein Elektroauto besteht nicht nur aus einer Batterie und einem Motor.

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Value wachgeküsst?!

Die seit Tagen gegenläufige Kursentwicklung zwischen Volkswagen und Tesla (vgl. Abb.) könnte auch Ausdruck einer Rotationsbewegung sein: Raus aus den Highflyern der vergangenen Jahre und rein in die vernachlässigten Value-Titel! Der in den USA ansässige, deutschstämmige Fondsmanager Michael Keppler hat uns in der Februar-Ausgabe des Smart Investor (ab S. 60) zu diesem Thema Rede und Antwort gestanden. Möglicherweise ist die schon mehrfach ausgerufene Wiederentdeckung der Value-Titel nun tatsächlich in Gang gekommen, wobei das seit Mitte des letzten Jahres angestiegene Zinsniveau der US-Staatsanleihen den Bewertungen zusetzen dürfte, insbesondere denen der Hightech-Unternehmen und jener Gesellschaften, die noch auf Jahre hinaus kein Geld verdienen werden.

Auch die aktuellen Impfkampagnen werfen inzwischen Schatten auf die Märkte. In die Kritik war insbesondere der Impfstoff von AstraZeneca. Am Montag verfügte Bundesgesundheitsminister Spahn auf Basis einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts eine vorsorgliche Aussetzung von Impfungen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers. Da etliche Länder diesen Schritt bereits zuvor gegangen waren, kam dies nicht vollkommen überraschend. Andererseits rührten viele Politiker – unter anderem der bayerische Ministerpräsident Söder noch bis zuletzt für genau diesen Impfstoff die Werbetrommel, weshalb viele einen Impfstopp für eher unwahrscheinlich hielten. Die Aktie des Herstellers reagierte dennoch gelassen (vgl. Abb.). Schon am Dienstag kam Jeffries mit einer Kaufempfehlung an den Markt, was die Aktie sogar mit einem kleinen Kurssprung quittierte (grüne Markierung). Betrachtet man allerdings den Chart der letzten Monate, so war dort bislang nichts von einer Erfolgsgeschichte des Corona-Impfstoffs zu sehen. Tatsächlich ging es kontinuierlich abwärts und erst jetzt, wo die Kritik an AstraZeneca in aller Munde ist, deutet sich eine Stabilisierung des Kurses an. So gesehen sind Kursentwicklung und Nachrichtenlage geradezu ein Lehrbeispiel für die oft als verquer empfundene Logik der Börse. Allerdings hatte die Börse nun auch lange genug Zeit, die Probleme bei diesem Impfstoff einzupreisen. Da sich alle Impfstoffhersteller ohnehin schon im Vorfeld aus der Haftung gewunden hatten, ist das Schlimmste was ihnen blühen kann, ohnehin nur ein Imageschaden, und das Image vieler Pharmaunternehmen ist ohnehin nicht sonderlich hoch.

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Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung in unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Angesichts der Erfolge von Tesla wurde Volkswagen über Jahre als Dinosaurier des Autobaus verspottet. In der Zwischenzeit hat das Unternehmen aber offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht. 

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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