Zu großer Optimismus

Titelbild: © GD schaarschmidt – stock.adobe.com

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Die Luft für Anleger wird dünner

Aufgekratzte Stimmung

Seit der Herbstrally ist die Stimmung aufgekratzt, der Optimismus der Anleger groß. Doch bei den Aktienkursen geht es nicht mehr recht voran. Offensichtlich brachte der Jahreswechsel eine Charakteränderung in den Markt. Woran liegt das? Vor allem: Wie geht es weiter und wie sollten renditeorientierte Anleger jetzt reagieren?

Für die zu beobachtende Änderung des Marktcharakters gibt es mehrere Ursachen. Zum Jahreswechsel endete das Window-Dressing. Wollte man zum Ultimo 2023 noch die Starperformer des Börsenjahres ausweisen, sichern Wall Street-Profis jetzt ihre Gewinne und reichen hochgejazzte Positionen an Amateure weiter, die – genau das kennzeichnet sie als Amateure – zu spät zur Aktienparty kommen. Sie haben sich anstecken lassen vom schließlich allgemein zur Schau getragenen Marktoptimismus und von der Aussicht auf Zinssenkungen.

Im Wahljahr 2024, so die Erwartung, wird der mächtige Fed-Chef Jerome Powell die US-Leitzinsen in sechs Schritten zu je 25 Basispunkten senken. Denn weder Präsident und Wahlkämpfer Joe Biden, noch die oppositionellen Republikaner können eine lahmende US-Wirtschaft in Wahlkampfzeiten gebrauchen. Die EZB wird es der Fed nachtun, schließlich stehen auch in Europa mehrere Wahlen an.

Wie gesagt, das sind die Erwartungen – und genau da liegt das Problem: Die Erwartungen sind in den Kursen bereits „drin“. Besser kann es kaum noch werden. Kommt nun die Andeutung einer Rezession oder macht ein Fed-Governor wie Christopher Waller am Dienstag eine Andeutung, die Zinssenkungen könnten doch noch auf sich warten lassen, dann bröckeln die Kurse sofort.

Anlagethema Industriegase

Deswegen müssen und sollten smarte Investoren dem Markt nicht hektisch den Rücken kehren. Auf der Suche nach Rendite ändern sie vielmehr ihre Perspektive, weiten den zeitlichen Horizont. Statt kurzatmigen (Zins-)Trends hinterher zu hechten, schauen sie, wie Kurse von Qualitätsunternehmen sich über Monate und Jahre entwickeln. Das Anlagethema Industriegase bietet Anschauungsmaterial.

Air Liquide (WKN: 850133), Stammsitz Paris, ist der große Konkurrent des hierzulande bekannteren Industriegasherstellers Linde (WKN: A3D7VW). Während Linde mittlerweile ein KGV von immerhin 39 aufweist, liegt das KGV von Air Liquide noch bei 25. Die Kursnotierungen von Air Liquide laufen bilderbuchmäßig nach oben, nach Ansicht von Anlegern brummt das Geschäft. Dafür spricht übrigens auch die hervorragende Kursentwicklung des Mitbewerbers Linde, auf welchen Smart Investor Weekly bereits im Oktober 2022 und erneut im Juli 2023 aufmerksam gemacht hatte. Wenn zwei Platzhirsche so gut im und vom Industriegasmarkt leben können, braucht einem um die langfristige Kurszukunft der beiden Unternehmen kaum bange zu sein.

Trump-Aktien

Donald Trump, ehemals US-Präsident, hat die ersten Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa gewonnen und zwar mit weitem Abstand vor seinen Parteikonkurrenten. Damit ist Trump beim Kandidatenrennen der Republikaner hoher Favorit. Sollte er am 5. November 2024 bei den US-Präsidentschaftswahlen gegen Amtsinhaber Joe Biden antreten, werden Trump gute Gewinnchancen zugebilligt. Aus Trumps Amtszeit von 2017 bis 2021 wissen Anleger, dass ein Präsident Trump auf „America first“ setzt, auf traditionelle Industrie, auf Stahl und Kohle.

Aktien aus diesen Sektoren dürften profitieren, und zwar nicht erst nach der Wahl von Trump, sondern bereits in den Monaten davor, in Erwartung eines Trump-Sieges. Anleger werden zum Beispiel den Energy Select Sector SPDR Fund (XLE) beobachten. Die größten Positionen des Fonds lauten u.a. ExxonMobil (WKN: 852549), Chevron (WKN: 852552), ConocoPhillips (WKN: 575302), Marathon Petroleum (WKN: A1JEXK). Der große US-Fonds dient zumindest als guter Sektorenanzeiger.

Nach dem Kursaufstieg aus der Corona-Panik heraus, erreicht der Fonds im ersten Halbjahr 2022 eine Kursspitze und hat sich seitdem auf einem Hochplateau eingerichtet. Auffällig ist, wie an der Unterkante des Plateaus die Kurse zusammenschnurren. Vom Frühjahr 2022 bis heute erreichen die unteren Notierungen immer höhere Tiefs, das heißt immer weniger Anleger sind bereit, Energie-Titel abzugeben.

Beobachter haben es nun einfach. Setzen sie darauf, dass ein Wahlsieg von Donald Trump gut für traditionelle Energiekonzerne ist, dann brauchen sie nur die weitere Entwicklung des Fonds zu beobachten. Bricht er in den nächsten Wochen und Monaten zu neuen Hochs auf, dann reagieren sie.

Zu den Märkten

Flagge oder Topbildung? Drängend und von hoher Relevanz ist die Frage, ob der DAX sich nach dem Rekordlauf der letzten Wochen nur in einer Konsolidierung befindet, oder aber gerade eine Trendwende vollzieht. Dass sich die Charakteristik des Marktes mit dem Jahreswechsel verändert hat, ist unübersehbar (s.o.).  Eindeutig ist die Sache aber noch nicht. Vor allem die Umsätze sprechen im Moment noch gegen die große Trendwende. Dieses Austrocknen spricht eher für eine Korrekturbewegung, die zuletzt aber nach unten etwas an Dynamik entwickelte.

Allerdings ist im rezessionsgeplagten Deutschland im Moment auch nicht klar, woher die Impulse für einen neuen Aufwärtsschub kommen könnten. Das Thema Zinssenkungen dürfte, wie eingangs erwähnt, nicht nur bereits eingepreist sein. Die zuletzt wieder anziehenden Inflationsraten lassen der EZB im Moment auch kaum Spielraum, möchte sie die verbliebene Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen.

Zum Thema Uran finden Sie mehr Infos in unserem Musterdepotbereich, für welchen Sie jedoch angemeldet sein müssen.

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In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie heute aktuelle Einschätzungen zu zwei Musterdepottiteln, sowie Nachrichten zu unseren offenen Orders. Dazu gibt es ein Update zu unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Die große Monatsübersicht inklusive Übersichtstabellen finden Sie in der Ausgabe 50/2023. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich lesen zu können, müssen Sie Abonnent des Smart Investor Magazins sein und sich auf der Smart-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@smartinvestor.de an.

Fazit

Die Anleger scheinen mehrheitlich zu sorglos zu sein. Die fulminante Jahresendrally hat möglicherweise den Blick auf die aktuellen Gefahrenlagen verstellt. Allerdings gibt es nach wie vor interessante Nischen und eine politische Spekulation, die sich im weiteren Jahresverlauf konkretisieren könnte.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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