Grafik der Woche – „Negativzins-Labor“

GdW - CHFDatenquelle: Schweizerische Nationalbank

Notenbankstatistiken gehören für die meisten Menschen nicht gerade zur bevorzugten Lektüre. Zu Unrecht, denn diesen Zahlenwerken lassen sich hochinteressante Zusammenhänge entnehmen, die letztlich uns alle betreffen. Angeregt wurden wir zu unserer Grafik der Woche übrigens durch den Beitrag „Warum die Schweizer immer mehr „Ameisen“ horten“ auf welt.de, der allerdings unter dem etwas irreführenden Begriff „Sparwahn“ zu finden war. Tatsächlich ist das Horten von „Ameisen“, wie Schweizer liebevoll den 1000-CHF-Schein nennen, nämlich höchst rational – zumindest, wenn man im führenden „Negativzins-Labor“ der Welt lebt. Und nein, das sind auch keine Kriminellen, wie es uns die Propaganda unablässig weiszumachen versucht, sondern ganz normale Sparer. Zwar ist die Schweizer Situation etwas anders – dort wurden die Minuszinsen primär in Kraft gesetzt, um Fluchtgelder aus der Eurozone abzuwehren –, aber der Trend zur Ausweitung der Negativzinsen ist auch im Einflussbereich der EZB nicht aufzuhalten – weil er gewollt ist.

Unsere Grafik zeigt den Notenumlauf als rote Linie und die LIBOR-CHF-Sätze für die Laufzeiten 1, 3, 6 und 12 Monate in verschiedenen Blautönen. In sehr grober Betrachtung entwickeln sich die rote Kurve und das blaue Kurvenbündel in etwa gegenläufig. Interessanter aber ist der Blick auf die Details:

Die grüne Markierung zeigt eine Zinssenkungsphase die nicht zu einer nennenswerten Erhöhung des Notenumlaufs geführt hat. Das Vertrauen in die Banken war offenbar noch intakt – wir sprechen immerhin von der Schweiz. Vollkommen anders stellt sich die Situation dagegen bei den beiden gelben Markierungen dar. Die Finanzkrise des Jahres 2008 führte zu massiven Zinssenkungen und einer sprunghaften Erhöhung des Notenumlaufs. Das gleiche Phänomen zeigte sich beim Eintritt in die Null- und Negativzinsphase. Gab es schon 2008 keinen Grund mehr, sein Spargeld wackeligen Zombiebanken zu Minizinsen zu überlassen, wäre dies bei Negativzinsen geradezu verrückt.

Interessant ist zudem die Steigung der roten Kurve. Zwar wächst der Notenumlauf tendenziell immer etwas, auffällig ist jedoch die Beschleunigung „nach“ der Finanzkrise, die durch die roten Pfeile veranschaulicht wird. Das Wort „nach“ benutzen wir deshalb in Anführungszeichen, weil auch diese Daten zeigen, dass wir weiter mitten in dieser Krise stecken. Was man im Vorfeld vermuten konnte, belegen nun die Statistiken der Schweizerischen Nationalbank in aller Klarheit: Eine konfiskatorische Geldpolitik führt zu Vermeidungsreaktionen der Sparer. Es sind solche Erkenntnisse aus dem „Negativzins-Labor“, die hinter der aktuellen Kampagne gegen Bargeld stehen. Der Punkt ist nicht, dass niemand mehr „altmodisches“ Bargeld wollte, sondern, dass es tatsächlich beliebter denn je ist – besonders auch in den größten Stückelungen. Wenn Ihnen also demnächst wieder irgendein Mietmaul oder ökonomischer Analphabet mit Parteibuch etwas über Bargeld und Terror oder Bargeld und Steuerhinterziehung erzählen will, dann wissen Sie es bereits besser – bei der Einschränkung des Bargelds geht es um eine flankierende Maßnahme zur Durchsetzung der Finanziellen Repression.

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