Smart Investor – „Leider ist es Gold“

Eugen Weinberg

Smart Investor: Herr Weinberg, wurden die Karten durch die Präsidentschaft Trumps auch für die Rohstoffmärkte neu gemischt?
Weinberg: Davon ist auszugehen. Wie das letztlich konkret aussehen wird, ist momentan aber schwer abzuschätzen. Einer der wichtigsten Märkte ist der Ölmarkt, und dort wird der Einfluss der US-Politik massiv sein. Trump könnte beispielsweise die heimische Ölproduktion unterstützen oder die Sanktionen gegen den Iran ausweiten. Das eine würde negativ, das andere positiv auf den Ölpreis wirken. Grundsätzlich ist Trump positiv zur Rohstoffförderung eingestellt, aber auch zur Industrie. Daher könnten sowohl das Rohstoffangebot als auch die Rohstoffnachfrage steigen.

Smart Investor: Unsere Leser interessieren sich besonders für Edelmetalle. Wie ist hier Ihre Einschätzung?
Weinberg: Das ist ein Markt, der von vielen nicht richtig verstanden wird. Nach landläufiger Meinung liegen die Risiken für die Goldpreise in einem stärkeren USD und in steigenden Zinsen. Aus unserer Sicht greift das zu kurz. Es geht um den Realzins, also den Nominalzins abzüglich der Inflation. Da die Inflationsgefahren weltweit zunehmen, wird das Geld trotz steigender Zinsen real weiter entwertet. Zudem sind die politischen Risiken enorm. Gold ist von daher gut unterstützt. Wir rechnen damit, dass die Preise in diesem und im nächsten Jahr zulegen werden. Silber ist zwar von der Nachfragestruktur eher ein Industriemetall, aber der Silberpreis verhält sich ähnlich wie der des Anlagemetalls Gold – allerdings unter stärkeren Ausschlägen. Silber ist daher kein schlechtes Investment, aber man muss sich der Risiken bewusst sein.

Smart Investor: Sie haben einmal Lithium als das einzige Metall bezeichnet, auf das sich die Elektromobilität stark auswirken wird. Was ist mit Kupfer?
Weinberg: Sicher wird die Nachfrage nach Kupfer steigen, aber nur begrenzt. Nehmen wir an, pro Elektrofahrzeug werden zusätzlich 20 Kilogramm Kupfer benötigt. In einigen Jahren kommen jährlich 5 Mio. Elektrofahrzeuge auf die Straße. Das wäre eine zusätzliche Kupfernachfrage von 100.000 Tonnen – bei einem Markt von 20 Mio. Tonnen. Das hat keinen Einfluss. Für die Batterien werden allerdings zusätzlich 200.000 Tonnen Lithium benötigt. Das entspricht der aktuellen Größe des Gesamtmarkts. In den aktuellen Preisen ist das bereits berücksichtigt. Die bislang noch nicht erschlossenen Vorkommen reichen für Jahrhunderte. Daher liegt der Höhepunkt der Preisentwicklung meines Erachtens auch schon hinter uns.

Smart Investor: In letzter Zeit wird wieder intensiver über Uran diskutiert. Ist das für Sie ein Thema?
Weinberg: Eigentlich sieht es für die Uranpreise relativ gut aus. Die Nachfrage wird kontinuierlich weitersteigen. Weil der Umweltschutz in China eine enorme Bedeutung gewinnt, wird man auf Erneuerbare Energien, aber auch auf Atomkraft setzen. Auch bei US-Präsident Trump dürfte die Atomkraft eine stärkere Rolle im Energiemix spielen. Bei den gegenwärtigen Preisen lässt sich das Angebot nicht stark genug ausweiten, um den Bedarf zu decken. Aber das Thema ist leider hochgradig politisiert.

Smart Investor: Gibt es einen Rohstoff, den Sie unseren Lesern besonders ans Herz legen?
Weinberg: Leider ist es Gold. Leider, weil Gold eine Flucht- und Risikowährung ist. Eher eine Absicherung, die ich ungern als Favoriten nenne. Aber man muss seine Chancen nicht nur auf der Longseite suchen. Aktuell sehe ich Risiken bei den Industriemetallen wegen der Entwicklung in China und in der Bauwirtschaft. Von noch stärkeren Preisrückgängen sind wir bei Öl überzeugt. Hier herrscht Überangebot. Ich würde nicht einmal ausschließen, dass wir im Sommer Preise von 40 USD/Barrel sehen werden. Aktuell sind wir knapp 30% höher.

Smart Investor: Vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Interview: Ralph Malisch

Der Diplom-Wirtschaftsmathematiker Eugen Weinberg leitet seit März 2007 das Rohstoff-Research-Team der Commerzbank. Nach seinem MBA-Studium führte ihn sein Berufsweg als Fondsmanager und Rohstoffanalyst zur BW-Bank und anschließend zur DZ Bank, wo er das Rohstoff-Research aufbaute. Bei der Commerzbank ist er mit seinem Team maßgeblich für die Erstellung der Prognosen und der Strategien im Rohstoffsektor verantwortlich.

Das Interview ist Teil unserer Titelstory „Rohstoffe 2017“, in der wir uns intensiv mit den Rohstoffen selbst und den Minenaktien beschäftigt haben. Als Abonennt können Sie das Heft im Online-Archiv abrufen oder dieses im Online-Shop bestellen.