„Das ist digitale Sklaverei“

Bild: © Susanne Blaß

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Interview

Smart Investor sprach auf dem Pieper & Friends Kongress* am 9.4.2022 in Würzburg mit dem Buchautor Ernst Wolff und dessen Sicht auf Geschichte hinter den Schlagzeilen

Smart Investor: Herr Wolff, seit unserem letzten Interview ist knapp ein Jahr vergangen. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?
Wolff: Es gab selten eine Phase unseres ­Lebens, in der es so wichtig war, sich darüber klarzuwerden, welche Triebkräfte unser Leben bestimmen. Wir haben es im Moment weiter mit verschiedenen „Kriegsschauplätzen“ zu tun – der vermeintlichen Pandemie, dem Krieg in der Ukraine, dem Problem der Inflation und dem Großangriff auf den Mittelstand. Einzig positiv: Aufgrund der Schnelligkeit der Entwicklung werden manche Zusammenhänge leichter verständlich. So hat uns die Gesundheitskrise ein Phänomen gezeigt, das vom Mainstream weitgehend ­verschwiegen wurde: Noch nie in der Geschichte der Nationalstaaten haben fast 200 Regierungen der Welt im Gleichschritt gehandelt. Sie haben Quarantäne und Maskenpflicht eingeführt und die Menschen anschließend zur „Impfung“ gedrängt. Nur sehr wenige Regierungen haben sich widersetzt. Für mich ist das ein Hinweis auf eine starke, koordinierende Kraft im Hintergrund. In meinen Augen ist das die Kraft, von der ich seit drei Jahren spreche, der digital-­finanzielle Komplex. Das sind zum einen die großen Digitalkonzerne wie Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta sowie das Firmengeflecht um Elon Musk: PayPal, Tesla, SpaceX, Starlink und Neura­link. Zum anderen sind es die großen Vermögensverwalter mit BlackRock und Vanguard an der Spitze.

Smart Investor: Aber in der Ukraine kämpfen doch weder Digitalkonzerne noch Vermögensverwalter?
Wolff: Dort gibt es zwei Narrative. Das ­eine besagt, dass ein irrer Diktator, der ­unter Großmachtfantasien leidet, das zaris­tische Großreich wiedererrichten möchte. Das andere läuft darauf hinaus, dass ­Putin seinen eigenen Leuten zu Hilfe kommen wollte und deswegen diesen Großangriff unternahm. Ich halte beide Narrative für vollkommen abwegig. Viel interessanter ist die Frage, wer von dem Krieg profitiert. Und da haben wir wieder die üblichen Verdäch­tigen – die großen IT-Konzerne und die großen Vermögensverwalter. Im Fall der Pandemie ging es über die Pharmaindustrie, im Falle des Ukrainekriegs geht es über die Rüstungsindustrie. Beide werden von den immer Gleichen kontrolliert. Und noch etwas fällt auf: Wir haben es heute bei einer Vielzahl an Regierungen mit einem Höchstmaß an ­Inkompetenz zu tun. In meinen Augen ist das nicht zufäl­lig, sondern gewollt.

Smart Investor: An wen denken Sie da konkret?
Wolff: Man ist ja völlig fasziniert, wie es sich die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt erlaubt, einen Mann wie Robert ­Habeck zum Wirtschaftsminister zu ­haben. Oder nehmen Sie Kanada mit Justin Trudeau, Neuseeland mit Jacinda Ardern – auch sehr jung und sehr inkompetent. ­Macron ist zwar älter, aber nicht viel ­anders. Das soll diese Regierungen in den Augen der Menschen diskreditieren, um die Macht langsam woandershin zu verlagern, in Deutschland beispielsweise nach Brüs­sel. Das ist aber nur der ­erste Schritt. Wie der zweite Schritt aussehen wird, davon ­konnte man vor wenigen Wochen in ­Dubai einen Eindruck bekommen. Dort hat das „World Government Forum“ stattge­funden und es wurde ganz offen darüber geredet, dass die Welt eine Welt­regierung brauche. Ehrengast war Prof. Dr. Klaus Schwab vom World Economic Forum. Die Entmachtung der Regierungen nützt vor allem dem digital-finan­ziellen Komplex.

Smart Investor: Wie konnte dieser Komplex so mächtig werden?
Wolff: Da gibt es zwei Faktoren: die Finanzialisierung der Weltwirt­schaft und die Digitalisierung der Welt. Den vorläufigen Endpunkt der Finanzialisierung bilden die großen Vermögensverwalter. Die beiden größten, BlackRock und Vanguard, sind relativ junge Unternehmen, verwalten zusammen aber rund 18 Bio. USD – das ist fast so viel wie das US-BIP. Die größten zehn Ver­mögensverwalter verwalten sogar mehr als 45 Bio. USD. Da hat sich eine beispiellose finanzielle Kraft herausgebildet. Auch die Digitalindustrie ist relativ jung. Es hat noch keine Branche gege­ben, die durch die technologische Entwicklung derart ­begünstigt worden ist. Die sogenannte Plattformökonomie hat die globale Wirtschaft grundlegend verändert. Über Jahrhunderte hatte ­immer das Geld entschieden, wer die Macht hat. Heute heißt die Formel „Geld plus Daten“. Darüber hinaus haben diese Unterneh­men über die Digitalisierung auch noch Einsicht in das Innerste aller anderen Unternehmen bekommen. Da bleibt abso­lut nichts verborgen. Der nächste Schritt ist die Symbiose ­zwischen diesen beiden Megakräften: Die großen Vermögensverwalter sind gleichzeitig die Hauptaktionäre der Digitalkonzerne, die ihrerseits die IT der Vermögensverwalter in der Hand haben.

Smart Investor: Wie wird diese Macht eigentlich ausgeübt?
Wolff: Es gibt ja immer diese Verschwörungstheorien, dass sich Leute in irgendwelchen Hinterzimmern treffen und all das bespre­chen, was demnächst passieren soll. Ich glaube an solche Theorien nicht. Ich glaube, dass der digital-finanzielle Komplex in den vergangenen Jahren mehrere entscheidende Organisationen unter­worfen, unterwandert oder gekapert und weitere selbst ­gegründet hat. Im Ergebnis haben wir es heute mit einer ganzen Phalanx von Organisationen zu tun, die einander direkt zuarbeiten.

Smart Investor: Welche Organisationen sind das konkret?
Wolff: An erster Stelle sind die Zentralbanken zu nennen. Diese sind inzwischen vollständig unterwandert. Die großen Ver­mögensverwalter sind heute in der Lage, jeden Markt der Welt in jede beliebige Richtung zu drängen und die Zentralbanken entsprechend unter Druck zu setzen. Zudem ist BlackRock der größte Berater der Fed und der EZB, sitzt also buchstäblich mit am Tisch. Dazu kommen die Medien. Sie müssen sich nur ­ansehen, wem die Medien gehören und wer dort den Ton angibt. Die sozialen Medien gehören den Digitalkonzernen sogar unmittelbar. Am Beispiel von Donald Trump konnten Sie erkennen, dass ­Twitter stärker war als der US-Präsident.

Bild: © Smart Investor

Smart Investor: Apropos Organisationen, Sie haben ja bereits Prof. Dr. Klaus Schwab erwähnt …
Wolff: Als der damals 33-Jährige den Vorläufer des WEF gründete, hatte er ganze fünf Jahre Berufserfahrung, war allerdings als Schüler von Henry Kissinger ein Jahr in Harvard gewesen. Zu seiner ersten Veranstaltung sind rund 440 europäische Top-Manager erschienen. Merkwürdig, oder? Im Jahr 1990 hat er dann damit begonnen, die Wirtschafts­elite der Welt auszubilden, und macht das seit 1992 auch für die politische Elite. Mit diesem Programm hat er die „Global Leaders for Tomorrow“ – später als Young ­Global Leaders bekannt – in das Rennen geschickt. Bereits in der ersten Klasse ­saßen Leute wie Bill Gates oder eine damals völlig unbekannte Person namens Angela Merkel, aber auch ­viele andere, die in der Folge Karriere gemacht haben. Interessant ist, dass wir im Rahmen der Corona-­Krise viele dieser ­Leute gesehen haben – ­Macron, Kurz, Spahn, Ardern oder Trudeau –, die die härtesten Maßnahmen durchgesetzt haben und besonders autoritär aufgetreten sind. Was wir für die Zukunft zu erwarten haben, zeigt das WEF-Programm der „Global Shapers“, das weltweit 20- bis 30-Jährige rekrutiert und bereits mehr als 10.000 miteinander vernetzter Personen umfasst. Da wird systematisch daran gearbei­tet, dass die Elite der Zukunft im Gleichschritt marschieren wird.

Smart Investor: Eine besondere Rolle spielte in den Pandemiejahren auch die World Health Organization (WHO). Wurde diese ebenfalls gekapert?
Wolff: Ja, auch die WHO wurde vom digi­tal-finanziellen Komplex inzwischen gekapert. Interessant ist die Finanzierung, die bei der Gründung noch ausschließlich durch Staaten erfolgte. Im Jahr 1995 betrug der Anteil privater Gelder und zweckgebundener staatlicher Gelder dann schon mehr als 60%; inzwischen sind es 90%. Über deren Verwendung kann die WHO nicht selbst entscheiden. Zu den privaten Geldgebern gehören vor allem Pharma­unternehmen und Privatstiftungen, etwa die Bill & Melinda Gates Foundation, die finanziell stärkste Stiftung der Welt – ebenfalls ein zentraler Bestandteil des digital-finanziellen Komplexes. Hätte die WHO im April 2009 nicht die Pandemiedefi­nition geändert, hätten wir definitions­gemäß gar keine Pandemie gehabt. Im Okto­ber 2020 – mitten in dieser Pan­demie – erfolgte dann eine willkürliche Neudefinition der Herdenimmunität als ausreichend hohe Impfquote. Ein grö­ßeres Geschenk hätte man der Pharma­indus­trie nicht machen können. Auch Universitäten wie Harvard und Johns Hopkins sind – so viel zum oft zu hörenden Hinweis auf „die Wissenschaft“ – durch Großspenden von Techmilliardären und teils zwielichtigen Stiftungen beeinflusst. Die Daten von Johns Hopkins waren in der Pandemie bekanntlich ein zentraler Input für das deutsche RKI oder die amerikanische FDA. Auch der IWF reihte sich ein und stellte seine Geldmittel nur jenen Ländern zur Verfügung, die auch bei den Gesundheitsmaßnahmen kooperierten. Über den IWF und die Weltbank haben wir ansonsten bereits das letzte Mal gesprochen [Anm. d. Red.: Smart Investor 6/2021, ab S. 58].

Smart Investor: Was ist das Ziel? Geht es nur um Profite?
Wolff: Ein vorrangiges Ziel der Digital­industrie ist die biometrische Erfassung der Menschheit. Das wird sehr zielstrebig vorangetrieben. Zu diesem Zweck wurde auch die Global Alliance for Vaccines and Immunisation (GAVI) gegründet. Was als beispielloses Engagement für die Ärmsten der Armen verkauft wird, trägt nichts zur Linderung der Not in Afrika oder Südamerika bei. Es war nicht der fehlende Immun­status, unter dem die Kinder dort litten, sondern die Mangel- und Unter­ernährung. Mit ID2020 kommt eine weitere eigens gegründete Organisation ins Spiel, die auf der Grundlage von ­Biometrie und Blockchain weltweit digitale Iden­tifikationsmöglichkeiten erschaffen will. Dabei ist die biometrische Erfassung nur ein Zwischenschritt. Letztlich geht es um die biologisch-digitale Konvergenz, ­also die Verschmelzung des Menschen mit der digi­talen Sphäre. Unterstützt werden solche Prozesse durch den rasanten Fortschritt bei der künstlichen Intelligenz. Der Mensch wird nur noch als Hardware gesehen, auf die Software aufgespielt werden kann. Die Corona-Krise wirkte als regelrechter Kata­lysator für solche Bestrebungen.

Smart Investor: Was erwartet uns in den nächsten Monaten?
Wolff: Aufgrund der ganzen organisatorischen und personellen Verflechtungen lässt sich klar erkennen, in welche Richtung die Welt getrieben werden soll. Der digital-­finanzielle Komplex weiß genau, dass ­dieses Finanzsystem zugrunde gehen wird. Es soll durch ein neues System ersetzt werden, das auf digitalem Zentralbankgeld beruht. Wir alle sollen dann nur noch über ein einziges Konto bei der Zentralbank verfügen, von deren Goodwill wir zu 100% abhängig sein werden. Das ist digitale ­Sklaverei. Anlass für den finalen Umbruch könnte eine – selbst herbeigeführte – wirtschaftliche bzw. soziale Katastrophe sein, wobei das neue System durch den „humanitären Akt“ eines universellen Grund­einkommens versüßt würde. Hinweise in dieser Richtung finden sich auch in Prof. Dr. Klaus Schwabs Buch „The Great Reset“. Es könnte mit dem Krieg also noch deutlich schlimmer werden. Auch Wladimir Putin ist ein Young Global Leader aus dem WEF. Man kann davon ausgehen, dass da im Hintergrund einige Fäden ­gesponnen wurden. Es wird Liefereng­pässe und Rohstoffverknappungen geben, bis hin zu Ausfällen bei der Lebensmit­telversorgung. Zudem wird eine galop­pierende Inflation einsetzen. Der Lebensstandard wird von oben gesenkt werden. Das einzig Positive ist, dass immer mehr Menschen nach neuen Lösungen suchen werden und das Vertrauen in die Leute, die uns in diese Situation geführt haben, verlieren.

Smart Investor: Vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Ernst Wolff, 1950 in Tianjin (­Volksrepublik China) geboren, arbeitet als Journalist und Buchautor („Weltmacht IWF“, „Finanz­tsunami“, Wolff of Wall Street“). Er beschäftigt sich vor allem mit der Wechselbeziehung zwischen Politik und Wirtschaft und konzentriert sich dabei auf den ­Finanz- und den Digitalsektor. Die ­Krise von 2008, die Eurokrise und der welt­weite Finanzcrash vom März/April 2020 waren für ihn nur die ersten Vorboten ­eines aufziehenden globalen Finanz­tsunamis, dessen Folgen unser Leben in den kommenden Jahren von Grund auf verändern werden.

*Einen Bericht zu diesem Kongress findet Sie ab S. 20.

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