Angriff auf die Freiheit?

Titelbild: © Fiedels – stock.adobe.com

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Das Innenministerium, die Rezession und das Gold

Dreizehn Maßnahmen!

„Wir wollen mehr Demokratie wagen“, sagte SPD-Kanzler Willy Brandt 1969. Das ist lange her. Innenministerin Nancy Faeser (ebenfalls SPD) hat gestern ein Paket aus 13 Maßnahmen vorgestellt. Sie nennt es: „Rechtsextremismus entschlossen bekämpfen – Instrumente der wehrhaften Demokratie nutzen“.

Die Innenministerin orchestrierte ihren Auftritt wuchtig. Oberste Vertreter ausführender Organe des Staates waren bei der Verkündung ihrer Planungen anwesend: der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, sowie der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch.

Teile des geplanten Pakets können als Angriff auf die Freiheit der Bürger eines demokratisch verfassten Staates aufgefasst werden.

Natürlich sollte gestern in Berlin nicht der Eindruck vermittelt werden, eine Phalanx aus Innenministerium, Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt maße sich an, zu definieren oder a priori zu wissen oder als Exekutive gar zu entscheiden, was als extrem und wer als Extremist zu gelten habe.

Dennoch besteht die Gefahr, dass es sich angesichts dieser Ankündigung Bürger bald zweimal überlegen werden, ob sie ihre Meinung in einem demokratischen Diskussionsprozess weiterhin frei einbringen oder doch besser für sich behalten, um zum Beispiel die eigene Kontoverbindung und damit die bürgerliche Existenz nicht zu gefährden.

Bereits heute gibt es vereinzelt Berichte, dass Kreditinstitute die Eröffnung von Girokonten ablehnen oder bestehende Konten von Kunden schließen und dafür schmallippige Erklärungen abgeben. Teil des neuen Faeser-Maßnahmenpakets soll laut öffentlich zugänglicher Informationen sein, dass der Verfassungsschutz schneller und unbürokratisch an Auskünfte zu Finanztransaktionen von politisch unter Verdacht geratenen Bürgern gelangt, damit „sich niemand, der an rechtsextreme Organisationen spendet oder sie in anderer Form finanziell unterstützt, darauf verlassen kann, hierbei unentdeckt zu bleiben.“

Die Auswirkungen der Planungen aus dem Innenministerium auf die demokratische Gesellschaft können gravierend sein. Eine künftige Regierung wird die von Nancy Faeser eingeführten und definierten Begrifflichkeiten womöglich anders interpretieren, aber die neuen Instrumente zum Durchgriff auf die Bürger sind wohl für jede Art von Politik zu attraktiv, um sie ungenutzt zu lassen. 

Die Rezession fällt aus …

Jerome Powell, Chef der US-Zentralbank Fed ist ein mächtiger Mann – der Herr über den Zins. Banker, Börsenhändler und Manager des großen Geldes sprechen Powell eine hohe Wirtschaftskompetenz zu. Powell erklärte zuletzt in „60 Minutes“, einem viel beachteten Magazinformat des US-TV-Senders CBS:

„Wir haben eine starke Wirtschaft. Das Wachstum geht in solidem Tempo weiter. Der Arbeitsmarkt ist stark: 3,7% Arbeitslosigkeit. Und die Inflation ist rückläufig. Bei einer so starken Wirtschaft haben wir das Gefühl, dass wir die Frage, wann wir mit der Senkung der Zinsen beginnen sollten, vorsichtig angehen können.“

In Händlerdeutsch übersetzt: Die Rezession fällt aus, zumindest in den USA. In Deutschland ist die Sache etwas anders gelagert, aus bekannten, von Smart Investor immer wieder aufgezeigten Gründen.

… die Rally aber auch

Die Rezession ist abgesagt, stattdessen brummt die US-Wirtschaft. Prompt keimen bei Investoren wieder Inflations- und damit Zinssorgen. Die US-Inflationsrate fiel im Januar zwar auf 3,1% (Dezember: 3,4%). Erwartet worden war allerdings ein Rückgang auf 2,9%.

Händler nahmen das gestern zum Anlass, auf breiter Front Aktien zu verkaufen. Die Überlegung dahinter: Die Fed könnte die für dieses Jahr in Aussicht gestellte Senkung der Zentralbankzinsen weiter nach hinten verschieben. Das Problem: Die niedrigeren Zinsen waren in den Aktienkursen bereits eingepreist. Am Dienstag wurden sie wieder ausgepreist und die Kurse fielen.

Das ist durchaus gesund, besonders nach der wochenlangen Rally. Anleger mit aktuellem Investitionsbedarf und einem langen Atem werden in dieser Situation auf ETFs schauen. So können sie das Risiko erst einmal streuen, sind aber für wieder ansteigende US-Notierungen dennoch bestens positioniert. Der iShares Core S&P 500 ETF (WKN: A0YEDG) investiert exakt in den breiten US-Index S&P 500. Der Xtrackers S&P 500 Swap ETF (WKN: DBX0F2) bildet den Index kostengünstig mit Swaps nach.

Die Grenzen des Goldes

Gerne weist Smart Investor auf Vorteile hin, welche ein Investment in Gold hat. Neben der Sicherheit und der Ästhetik erfreute das gelbe Metall die Anleger über die vergangenen 30 Jahre mit einem Wertgewinn von erstaunlichen 440%.

Der aufgeklärte Investor wird allerdings nicht die Augen davor verschließen, dass die Renditemöglichkeiten von Gold durchaus als begrenzt zu bezeichnen sind, zumindest im Vergleich zu anderen Anlageklassen. Langfristanlagen, auch in konservativen Aktien, brauchten sich vor dem Edelmetall jedenfalls nicht zu verstecken.

Die ehemals deutsche Linde plc, mittlerweile an der New Yorker Börse notiert, produziert seit Jahrzehnten Industriegase. Innovativ ist an dem Geschäft wenig. Es ist eine zuverlässige, um nicht zu sagen langweilige Angelegenheit. Weniger langweilig ist die Rendite, die aus dem Standardgeschäft erwächst. Die Linde-Aktie schaffte in den vergangenen 30 Jahren einen Wertzuwachs von 5.200%. Dagegen verblasst der Glanz des Goldes. Gold bietet Sicherheit. Aktien bieten Chancen. Die Mischung dürfte es machen.

Zu den Märkten

Schrecksekunde oder mehr? Am Dienstagnachmittag ging der DAX „aus heiterem Himmel“ in die Knie. Hintergrund waren die US-Inflationszahlen, welche die an den Märkten bereits fest eingeplanten Zinssenkungen erst einmal wieder in weitere Ferne rutschen ließen – und mit ihnen die Kurse nach unten. Nun könnte man schulterzuckend zur Tagesordnung übergehen, denn dass die US-Zinssenkung dieses Jahr noch kommen wird, gilt weiter als ausgemacht. Allerdings hat sich bei S&P, NASDAQ und Dow Jones nach Wochen der Rally ohnehin Korrekturbedarf aufgestaut. Eine etwas langsamere Gangart geht also schon aus diesem Grund in Ordnung.

Beim DAX ist die Lage heikler. Zwar ging es auch hier seit Oktober letzten Jahres kräftig nach oben. Die Dynamik erlahmte aber bereits vor einigen Wochen. Zuletzt deutet sich hier sogar eine Umkehrformation an, ein sogenanntes Adam & Eva-Top (vgl. Abb.). Diese Formation ist mit umgekehrten Vorzeichen vor allem von Bodenbildungen bekannt. Im hier vorliegenden Fall einer möglichen oberen Umkehr kommt es zunächst zu einem steilen Anstieg (Adam), der aber nicht nachhaltig ist. Diesem folgt dann ein weicherer Anstieg (Eva), der in etwa dasselbe Niveau erreicht. Zwar könnte sich diese Situation erneut nach oben auflösen, die Gefahr eines Ausbruchs nach unten ist aber real.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio finden Sie heute Neues zu unserem Musterdepotwert BAT, gemischte Nachrichten aus dem Edelmetallbereich, sowie Vollzugsmeldungen zu unseren Transaktionen. Abgerundet wird das Ganze mit einem Update zum wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Die letzten monatlichen Musterdepottabellen finden Sie in der Ausgabe der Woche 5. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich lesen zu können, müssen Sie Abonnent des Smart Investor Magazins sein und sich auf der Smart-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@smartinvestor.de an.

Fazit

Je stärker die Ampel-Regierung unter Druck steht, desto unkonventioneller bzw. abstruser werden deren Maßnahmen. Die neueste Idee besteht darin, Kritiker ganz einfach mundtot zu machen. Auch die Börsenrally der letzten Wochen und Monate erlitt am Dienstag einen empfindlichen Dämpfer. Die US-Inflation erweist sich als hartnäckiger als von den Märkten bislang angenommen.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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