Smart Investor 8/2019 – Editorial

Nicht mal jeder Fünfte!

Ralf Flierl, Chefredakteur

Nicht einmal mehr jeder fünfte Deutsche traut sich noch, öffentlich seine Meinung zu bestimmten Themen, wie z.B. der Migrationspolitik, zu sagen. Im privaten Kreis bringen immerhin noch drei von fünf Bürgern den Mut dazu auf. Diese Werte wurden bei einer im Mai durchgeführten Umfrage des angesehenen Instituts für Demoskopie Allensbach ermittelt. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ein solches Umfrageergebnis in Nordkorea ausfallen würde, aber sehr viel niedriger wohl nicht. Was ist aus unserem Land, was ist aus der EU nur geworden?

Politiker, die an ihren Bürgern vorbei regieren, sie nicht mehr ernst nehmen, sie diffamieren und, was immer häufiger vorkommt, auch zensieren lassen – man denke an das Netzwerkdurchsetzungsgesetz und die Zensurorganisation CORRECTIV –, brauchen sich da eigentlich nicht mehr wundern. Man fragt sich, wo das alles noch hinführen soll. Was kommt als Nächstes?

Ganz ohne Meinung zu einem Markt kommt aus, wer seine Kauf- und Verkaufsentscheidungen von einer Maschine ermitteln lässt. Man spricht dann von Handelssystemen, und diese sind das Thema unserer diesmaligen Titelgeschichte. Vereinfacht gesagt geht es darum, die Emotion möglichst aus dem täglichen Handelsgeschehen herauszuhalten. Wie man das bewerkstelligt und wo die Fallstricke dabei sind, das hat mein Kollege Ralph Malisch zusammen mit den beiden Spezialisten Werner Krieger und Oliver Paesler herausgearbeitet – auf den Seiten 12 bis 17. Auf S. 15 finden Sie sogar eine Möglichkeit, wie Sie zwei ganz konkrete Handelssysteme live mitverfolgen können.

Der Amerikaner Ray Dalio, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Fondsmanager weltweit, hat sich in seinem neuesten Buch – „Big Debt Crises“ („Große Schuldenkrisen“) – ausführlich mit den Entwicklungen an den Märkten beschäftigt und griff dabei auf lange Zeitreihen zurück. Er kommt zu einem sehr bemerkenswerten Schluss: Es steht nämlich ein Paradigmenwechsel an, der das Gefüge an den Weltbörsen dramatisch ändern dürfte. Mehr dazu ab S. 36. So viel sei von Dalios Erkenntnissen aber an dieser Stelle schon mal verraten: Edelmetalle dürften ein Comeback erleben.

Für den Vermögensverwalter Dr. Holger Schmitz gehört Gold ohnehin seit jeher zu einer guten Asset Allocation. Gerade für uns EU-Bürger hält er auch einige aufrüttelnden Botschaften bereit. Wie lange wird der Euro noch bestehen? Wo liegen seine Sollbruchstellen? Und was wäre ein adäquater Schutz, wenn es zum Zerfall kommt? All das verrät Schmitz im Interview ab S. 60.

Schließlich möchte ich Sie noch auf einen Zusammenschnitt einer erhellenden Podiumsdiskussion auf der jährlichen Veranstaltung der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft hinweisen (S. 18), die vergangenen Juni in Wien stattfand. Dabei ging es um klassisch ökonomische Themen wie Geldsystem, Zinspolitik und Konjunkturzyklus, aber auch darüber, ob man als Marktliberaler ein Herz für Schwache und Arme haben kann. Ein Grundkurs in Sachen Österreichische Schule!

Schließlich behandelt die vorliegende Ausgabe noch das Megainvestmentthema Infrastruktur, neueste Entwicklungen bei Abfindungswerten, die Marktmacht der amerikanischen Bigtech-Unternehmen, was man sich staatlicherseits zu deren Begrenzung einfallen lassen könnte und vieles mehr …

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lesezeit!