Vorausfressorgie

Der großartige Buchautor und libertäre Denker Roland Baader gab Smart Investor Mitte 2010 – eineinhalb Jahre vor seinem Tod im Januar 2012 – ein denkwürdiges Interview zum herrschenden Geldsystem. Darin sprach er von den „Ozeanen aus Scheingeld und Scheinreichtum“, in denen sich die westliche Welt heute suhlt.

Baader äußerte in diesem Gespräch in seiner unnachahmlich plakativen Art einen erschütternden Satz, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist: „Was wir in den letzten Jahrzehnten im papierenen Kreditrausch vorausgefressen haben, werden wir in den nächsten Jahrzehnten nachhungern müssen. Es wird furchtbar werden. Und leider folgt die politische Radikalisierung der Verarmung auf dem Fuß.“

Mit Mario Draghi wurde – um in Baaders Bild zu bleiben – die Vorausfressorgie auf ein neues Niveau gehoben. Die heutigen Niedrigst- bzw. Negativzinsen sind der Ausdruck der gigantischen Euroozeane, die inzwischen über die jahrelangen QE-Programme oder die fast bei 1 Bio. EUR liegenden TARGET2-Schulden in die Eurowelt gekommen sind. Die Blasen an den Assetmärkten, vor allem bei Anleihen und Immobilien, sind wiederum die Folge dieser tiefen Zinsen.

Am 1. November hat nun Christine Lagarde das EZB-Ruder übernommen. Aufgrund ihrer gut dokumentierten Vergangenheit (u.a. Verurteilung wegen Beihilfe zum Betrug; allerdings ging sie straffrei aus) darf man davon ausgehen, dass sie den von ihrem Vorgänger eingeschlagenen Kurs, der letztlich einen „Betrug an den Sparern“ darstellt, in keiner Weise korrigieren wird. Während der Italiener wenigstens noch den Anschein machte, seriöse Zentralbankpolitik zu betreiben, werden unter der Französin vermutlich alle Hemmungen fallen. Draghis legendärer Aussage „Whatever it takes“ wird sie ungeahnte neue Bedeutungen zukommen lassen – spätestens in der nächsten Euro-/Bankenkrise. Eine komplette Übersteuerung der Geldpolitik unter Lagarde ist praktisch ausgemacht – alles im Zeichen der Rettung des Euro und der EU. So gesehen ist der Weg für den Crack-up-Boom frei.

In diesem Szenario sind Aktien – neben Edelmetallen, die wir in der letzten Ausgabe besprochen haben – natürlich eine der vernünftigsten Handlungsalternativen, die man als Anleger ergreifen kann. Wir haben uns in dieser Ausgabe einige aussichtsreiche Titel aus der zweiten Reihe vorgenommen, die normalerweise nicht im grellen Rampenlicht der Medien stehen. Dabei haben wir hochinteressante Geschäftsmodelle aus dem In- und Ausland ausgegraben, die Ihnen auf den Seiten 6 bis 18 präsentiert werden.

Das oben erwähnte zeitlose Interview mit Roland Baader kann übrigens in voller Länge hier nachgelesen werden: www.roland-baader.de/ozeane-aus-scheingeld/

Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht Ihnen

Ralf Flierl